... "wo das Leben noch lebenswert ist"
 
vereinskneipe
 
Im Gedicht "Ruf zum Sport" von Joachim Ringelnatz (von 1926:  http://meister.igl.uni-freiburg.de/gedichte/rin_j02.html) kommt die Vereinskneipe anfangs nicht so gut weg, ja der Leser wird aufgerufen, den "Wirtshaustisch" zu verlassen:

Bleiches Volk an Wirtshaustischen, 
Stellt die Gläser fort. 
Widme dich dem freien, frischen, 
Frohen Wintersport."

Zum Schluss des wunderbaren Gedichts weiß der wunderbare Autor aber, dass man ja ganz zwangsläufig nach dem Sport wieder in der Vereinskneipe landet - zumal an Tagen, wo kein Schneeflöckchen vom Himmel fällt und der Wintersport i.d.R. ausfällt: 

"... Nimmt den Lungen die verbrauchte 
Luft, gibt Appetit; 
Was uns wieder ins verrauchte 
Treue Wirtshaus zieht.

Wo man dann die sporttrainierten 
Muskeln trotzig hebt 
Und fortan in illustrierten 
Blättern weiterlebt."

Für das Vereinsleben ist eine Vereinskneipe von unschätzbarer Bedeutung. Früher, als es den elektronischen Spielbericht noch nicht gab, gerade auch wegen des Telefons, mit dessen Hilfe die Presse mit Ergebnis und ggf. auch Notizen zum Spiel versorgt werden konnte. Noch früher war die Vereinskneipe Umkleidekabine für die Mannschaften. Stets war und ist die Vereinskneipe ein Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens, im Großen und Kleinen, was Peter Alexander in seinem Lied über "Die kleine Kneipe" unnachahmlich beschrieben hat:
 
"... Die Postkarten dort an der Wand in der Ecke,
Das Foto vom Fußballverein,
Das Stimmengewirr, die Musik aus der Jukebox
All das ist ein Stückchen daheim
...
Die kleine Kneipe in unserer Straße,
Da, wo das Leben noch lebenswert ist,
Dort, in der Kneipe in unserer Straße.
Da fragt Dich keiner, was Du hast oder bist." 
 
Die Vereinskneipe ist ein Ort für Feste und Feiern, auch - aber nicht nur - nach erfolgreichen Spielen. Für die "Sportschau-Gemeinschaft" bzw. als Sky-Sportsbar liefert sie die Spiele der "ganz Großen" - besonders im WM-Jahr wird es sicher viele Highlights für die Fernsehsportler geben. Und wer ansonsten in der Stadt oder im Lande auf den Fußballplätzen unterwegs ist, der weiß - besonders im Herbst und Winter - zu schätzen, wenn vor Ort die Vereinskneipe geöffnet hat, vor allem in der Halbzeitpause bei unwirtlichen Bedingungen "draußen". Drinnen umfängt einen die Vereinsgeschichte - mit Bildern erfolgreicher Mannschaften, mit Pokalen von erfolgreichen Turnieren. Sportliche Erinnerungskultur, die in Gesprächen bei Kaffee, Cola oder Bier gepflegt wird. Auch ein Bauernfrühstück, "Pommes Schranke" oder andere "Grundnahrungsmittel" werden hier gereicht und sorgen dafür, dass der Sportler und sein Fan gerne manche Stunde bleibt. Vor allem bei Schmidti und seinem Team, die so fürsorglich für uns da sind. Denn man ist dort im besten Sinne zuhause.
 
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